Drei kleine Bären Drei kleine Bären versuchten sich im Spätherbst beim Fischfang an einem kanadischen See. In ihrer Jagdlust und kindlicher Unbefangenheit sprangen sie auf ein verwahrlostes Floß und trieben auf diesem weit vom Ufer ab. Erst als sie das Ufer nicht mehr sehen konnten, wurde ihnen ihre ausweglose Lage bewusst. Der erste kleine Bär sagte: „Wir werden hier auf dem Floß verhungern – ich werde zum Ufer zurückschwimmen“, dann sprang er ins Wasser und schwamm los. Noch bevor ihn seine Kräfte verließen, konnten ihn die beiden anderen Bären nicht mehr sehen. Das Floß trieb weiter und strandete auf einer kleinen Insel. Übermütig sprangen die Bären an Land, während das Floß im Nebel des Sees verschwand. Bald stellte sich heraus, dass es auf der Insel keine geeignete Nahrung für Bären gab und das Ufer viel zu steil zum Fischen war. „Wir werden verhungern“, sagte nun der zweite Bär und stürzte sich verzweifelt in das für ihn viel zu tiefe Wasser und tauchte nicht wieder auf. Traurig setzte sich der dritte Bär an das Ufer und weinte bitterlich um seine Freunde. Es wird eine bessere Zeit kommen", sagte er laut. "Ich will nicht verhungern!" Dem Schicksal wie zum Trotz hob er entschlossen den Kopf und streifte alleine über die karge Insel. Dann grub er Wurzeln von verschiedenen Sträuchern aus, von denen die meisten bitter und fad schmeckten. Doch während er auf diesen herumkaute, stellte er sich vor, es seien frische Forellen und süßer Honig. Danach trank er von dem eiskalten Wasser des Sees. Plötzlich wurde er von einem Schneesturm überrascht. Er suchte Zuflucht in einer kleinen Höhle und kauerte sich, vor Kälte ganz steif geworden, in einer Ecke zusammen. Während der Schnee sich in einer dicken Schicht über die Insel legte, fiel der Bär vor Kälte und Hunger erschöpft und ausgezehrt in einen tiefen Schlaf. Im Traum sah er sich selbst mit seiner Familie beim Fischen in seichten Gewässern und wie er sich auf einer saftigen Waldlichtung satt und zufrieden ausruhte. „So wird es bald wieder sein“, hörte er sich selbst verschlafen sagen, als ihn ein dünner Sonnenstrahl an der Nase kitzelte und damit weckte. Als er die Augen aufschlug, konnte er durch eine Spalte in der Höhle sehen, dass der Schnee erstem zarten Grün Platz gemacht hatte und er kroch so schnell er konnte ins Freie. Der Bär ging zu dem See, der starr und völlig leblos vor ihm lag. Es hatte sich eine dicke Eisschicht auf ihm gebildet – die er noch nie zuvor in seinem Leben gesehen hatte. „Meine Zuversicht hat mir eine Brücke gebaut“, flüsterte er überglücklich und lief so schnell er konnte über den gefrorenen See nach Hause. Margret Netten  |