Mit den Minidickmanns ist es so wie mit den Menschen Der Einkaufswagen war voll bepackt wie bei jedem Großeinkauf im Supermarkt. Mein fünfjähriger Sohn war guter Dinge und hatte mich ausnahmsweise in keine Diskussionen an den verführerischen Kramständen mit Kindersachen oder an dem Süßigkeitenregal verwickelt. Geduldig schob er mit mir den Einkaufswagen zur Kasse. Dann fiel mir ein, dass wir das Toilettenpapier vergessen hatten und wir fuhren wieder ein Stück zurück. „Mama, lass mich das machen“, krähte er aufgeweckt und warf schwungvoll ein großes Familienpack Toilettenpapier auf den Wagen. Im letzten Moment konnte ich noch die Eierpackung auffangen, die ebenso wie die Spaghetti und die Minidickmanns dem Toilettenpapier-Wurfgeschoss im Wagen Platz machten und schwungvoll durch die Luft flogen. Froh, die Eierpackung noch erwischt zu haben, sah ich wie mein Sohn mit großen Augen und offenem Mund neben mir stand und mit dem Finger an mir vorbei zeigte. „Ups, wahrscheinlich haben wir doch noch was getroffen", dachte ich kurz und griff nach der Schachtel mit den Minidickmanns, die an einer Seite aufgeplatzt war und genau neben meinen Füßen lag. „Die ist ja ganz schwarz und kann gar nicht richtig laufen, Mama“, sagte mein Sohn laut und zeigte mit dem Finger auf ein dunkelhäutiges und offensichtlich gehbehindertes Kind. Ich drehte mich um und sah gerade noch wie die Mutter ihr Kind auf die andere Seite des Ganges zog. Mit hochrotem Kopf, der peinlichen Situation voll bewusst, brachte ich nur ein Wort heraus: “Kinder!“ und zuckte verlegen mit den Schultern. „Schon gut“, sagte die andere Mutter und schubste ihr Kind weiter. „Wieso ist die so anders, Mama?“, fragte mich mein Sohn. Ich saß in der Hocke und hielt immer noch die Minidickmanns-Schachtel in den Händen. Da die Schachtel ohnehin etwas aufgeplatzt war, machte ich sie ganz auf. Ich schaute in die Schachtel. Fein aufgereiht waren weiße, braune und schwarze Mini - Schaumküsse zu sehen, vier waren vom Sturz nicht mehr ganz heil. „Einige sind ganz angedötscht“, kommentierte mein Sohn den Anblick. „Ja, schau mal genau hin. Eigentlich ist es mit den Minidickmanns wie mit den Menschen. Es gibt sie in verschiedenen Farben“, sagte ich gedankenversunken. „Und manche sind angedötscht“, korrigierte mich mein Sohn. Jetzt musste ich doch lachen: „Ja, es gibt weiße, braune, schwarze, „angedötschte“ und welche die ganz sind. Aber eines haben alle doch gemeinsam.“ „Was denn Mama?“ „Na, die Füllung. Innen sind sie alle gleich! Und egal ob sie „angedötscht“ sind oder nicht, sie erfüllen doch den gleichen Zweck: Es sind alles Schaumküsse und sie sollen lecker schmecken. – Hier probiere mal!“ Ich gab ihm einen braunen „heilen“ Minidickmann und er aß ihn rasch auf. Danach gab ich ihm einen braunen „angedötschten“ Minidickmann und er aß ihn ebenfalls hastig auf. „Und, schmeckt der anders?“, fragte ich ihn. „Er war genau so lecker wie der andere auch“, grinste er mich an. Dann legte er die Stirn in Falten: „Und wie ist das bei den Menschen?“, wollte er nun wissen. „Na, ganz einfach: Uns gibt es auch in vielen Farben und manche von uns können vielleicht nicht gut laufen oder sehen oder sprechen. Aber worauf es wirklich ankommt ist das, was unter der Hülle steckt, egal welche Farbe sie hat und ob irgendetwas „angedötscht“ ist oder nicht. Was dann bleibt ist das, was uns wirklich ausmacht. Und wenn du so willst sind wir doch alle gleich: Nämlich Menschen.“ Als wir endlich an der Kasse bezahlt hatten und auf dem Weg nach draußen waren, kam die Mutter des farbigen Mädchens auf uns zu und hielt meinem Sohn eine offene Schachtel mit Minidickmanns entgegen: „Nimm dir welche“, sagte sie zu ihm. „Danke“, sagte sie zu mir gewandt. „Ich habe gehört was Sie ihrem Sohn erzählt haben.“ Dann gab sie meinem Sohn und ihrem Mädchen jeweils einen weißen und einen schwarzen Minidickmann aus der Schachtel. Die Kinder lachten sich beide an und aßen die Schaumküsse in stiller Eintracht genüsslich auf. Margret Netten 
Elvir Bajrami und Theodora Okojie Quelle Foto: Hannelore Schreiber, Magazin "aktuell", Ausgabe 1/2006, Lebenshilfe Fürth
Dorothea Wolf-Stiegemeyer veröffentlichte die Geschichte im Sommer 2003 erstmals auf ihrer Homepage: www.muetter.besondere-kinder.de . weitere Veröffentlichungen folgten: „Eltern helfen Eltern e.V.“, Berlin Brandenburg, Septemberausgabe 2003 „Treffpunkt“, unabhängige Betriebszeitung von "Jugend am Werk" Nr. 2/2003 „Mitteilungen“, Arbeitskreis Down-Syndrom e.V. Nummer 42/2003 Seit Oktober ´03 wurde die Kurzgeschichte von der luxemburgischen Vereinigung „Elteren a Pädagoge fir Integration A.S.B.L“ in verschiedenen Aktionen und Ausstellungen eingesetzt. Sie wurde dort ebenfalls in französisch und portugiesisch übersetzt. Lebenshilfe Zeitung, Nr. 3/24.Jg., Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung unter dem Titel „Menschliche Schokoküsse“ in der „Spielen und Lernen“, Zeitschrift für Eltern u.Kinder, Februar 2004 „Anstöße-Kalender 2005“, Herausgabe im September 2004 online ab Januar 2005: www.geburtskanal.de www.integrationskinder.de „Intensivkinder zuhause“, Ausgabe1/2005 – www.intensivkinder.de Herzblatt 2 /2005, ein Magazin der Deutschen Herzstiftung - www.herzstiftung.de "aktuell", Ausgabe 1/2006, ein Magazin der Lebenshilfe Fürth - www.lebenshilfe-fuerth.de online 11/´06: Blog von Martina Brochtrup: www.myblog.de/knuddelteddy "kinderleicht!?" Zeitschrift für engagierte Erzieherinnen und Erzieher, Ausgabe 5/2006 online ab Januar 2007: "Denk-mal-Seite" der Homepage des Momme-Nissen-Haus in Pellworm online 4/2007: Blog von "Kaffeetante" online 5/2007: Blog von "Barbro" Buch: "In mir ist Freude", Doris Verlag: Juni 2007
Frühjahr 2008: Unterrichtmodell RuMos: Unterrichtshilfen des Verbandes Katholischer Religionslehrer/innen und Gemeindereferenten/innen e.V. www.vkrg.de
Am 02.10.´04 wurde die Geschichte "Mit den Minidickmanns ist es so wie mit den Menschen", sowie damit verbundene Initiativen, mit einer Urkunde vom Bündnis für Demokratie und Toleranz, Berlin bedacht. 
Dieser Artikel ist in der Tageszeitung "Luxemburger Wort" anlässlich des offiziellen Starts mit Jetty Ury, der Präsidentin der oben genannten luxemburgischen Initiative, erschienen. Die luxemburgische Vereinigung "Elteren a Pedagoge fir Integratioun a.s.b.l." Die Vereinigung setzt sich durch verschiedene Aktionen und Ausstellungen für die Integration von Randgruppen ein. Von ihnen wurde die Geschichte seit Oktober 2003 in französisch und portugiesisch übersetzt und jeweils zusammen mit einer Schachtel „Schaumküsse“ an rund 240 Instutitionen verschickt. Anschrift: ELTEREN A PEDAGOGE FIR INTERGRATIOUN a.s.b.l., B.P. 489 L –2014 Luxembourg zu der französischen Übersetzung der Geschichte Geschichte ausdrucken Abdruckgenehmigungen bitte bei mir M.Netten@t-online.de oder bei Frau Wolf-Stiegemeyer wolf-stiegemeyer@gmx.de einholen. Mehr zum Thema "ANDERS SEIN" finden Sie hier:
"Thelma - die weiße Kuh, die keine Flecken hat" 
1.: Das Lese-Mitmach-Heft ein Lese-Mitmach-Heft vom "ANDERS SEIN" zum Weiterillustrieren und Ausgestalten

2.: Das Projektheft
mit fächerübergreifenden Elementen zum Thema "ANDERS SEIN" 
3.: Das Theaterprojekt für große und kleine Theateramateure und -profis

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