Stolperchen und Calendula "Huibuh, Huibuh, Huibuh, Jubidubidu! Heute Nacht ist Halloween...", tönte es zaghaft in einer Vollmondnacht von dem Schornstein eines alten und längst vergessenen Schlosses. Das kleine Gespenst Stolperchen saß dort seit Anbruch der Dunkelheit und versucht verzweifelt, den Text des traditionellen Halloween - Gespensterliedes auswendig zu lernen. „Ich kann mich einfach nicht konzentrieren“, murmelte es gedankenversunken vor sich hin und schaute dabei an seinem Gespenstergewand herunter. Traurig strich es mit den Händen über die vielen blauen Flecken auf seinem Gewand, als wenn es diese damit wegwischen könnte. Doch das funktionierte natürlich nicht. Entschlossen rekelte sich Stolperchen wieder dem Mond entgegen. Es kannte den alten Gespenstertrick: Im Vollmondschein konnte man sein Gewand bleichen. Doch leider wollte dieser Trick bei seinen unzähligen blauen Flecken nicht funktionieren. Stolperchen wusste genau, was das bedeuten würde: Es konnte wieder nicht mit zu dem Halloweenfest - dem größten Fest aller Gespenster. „Hu,hu,hu,huuuuuuuuuuuuuuuuh.“ „Was war das?“ Stolperchen dachte es wäre ganz allein und nun hörte es sich an, als wenn noch ein Gespenst ganz in der Nähe das Halloween – Gespensterlied übte. Vorsichtig stieg es vom Schornstein, schlich sich um den Schlossturm und sah schließlich im Schatten des Turmes eine seltsame Gestalt. Es wusste sofort, dass dies kein Gespenst sein konnte und wollte sofort flüchten. Ihm war klar, dass es mit seinen vielen Flecken mit Sicherheit niemanden erschrecken konnte. „Hey du, warte mal!“, schallte es durch die Nacht. Stolperchen erschrak und purzelte mit großem Lärm direkt vor die Füße der fremden Gestalt. „Nanu – das ist ja ein ziemlich lauter Auftritt für ein Gespenst“, sagte die fremde Gestalt. Dann merkte Stolperchen, wie es unter die Arme gepackt und auf die Beine gestellt wurde. Erstaunt und der peinlichen Situation voll bewusst, schaute es plötzlich in ein geheimnisvolles hübsches, aber verheultes Gesicht unter einem riesigen geheimnisvollen Hut. „Hallo, ich bin Calendula. Ich bin eine Kräuterhexe. Dir muss die Begegnung hier nicht peinlich sein. Ich war diejenige, die hier heulend auf dem Schlossturm saß.“ „Hallo, ich bin Stolperchen, und wie du siehst ein Gespenst mit blauen Flecken. Die habe ich, weil ich das „Frei-Schweben“ und das „Durch-die-Wand-Gehen“ nicht beherrsche.“ Calendula lachte plötzlich. Sie lachte so laut, dass Stolperchen vor Schreck abermals hinfiel und sich noch einen blauen Fleck zuzog. „Hey, das wollte ich nicht“, sagte Calendula schuldbewusst. „Ich sehe, du hast ein großes Problem. Mir geht es aber nicht viel besser.“ Stolperchen zog sich neugierig an einem vorstehenden Stein hoch und setzte sich zu Calendula. „Ich bin die Halloween-Hexenkönigin des letzten Jahres und soll nun nach alter Sitte für das kommende Fest für alle anderen Hexen einen Kürbiskuchen backen. Wie das Schicksal es nun will, wird mir das aber nicht gelingen. Der alte Zauberer Wutohnegrund hat einen sinnlosen Zauber über mich gelegt. Seit dem liegt meine Küche in ewiger Finsternis. Jedes offene Feuer, jede Kerze, jedes elektrische Licht geht sofort aus. Stell´ dir vor, ich kann seitdem keine heilende Tinktur, keinen Zaubertrank und auch keinen traditionellen Kürbiskuchen für die anderen Hexen in der Halloweennacht machen.“ „Das ist schlimm! Du bist genau so ein Pechvogel wie ich“, lächelte Stolperchen Calendula mitfühlend an und diese legte kameradschaftlich einen Arm um seine Schultern. Gemeinsam schauten sie wehleidig in den Vollmond und beide wussten, dass es der letzte Vollmond vor Halloween war. Es blieb ihnen also nicht mehr viel Zeit. „Lass mich mal deine Wunden richtig anschauen“, flüsterte Calendula plötzlich in Stolperchens Ohr und streichelte ganz sanft über seine blaue Flecken und Schrunden. „Tut´s sehr weh?“ „Manchmal schon“, flüsterte Stolperchen zurück und genoss die Fürsorge seiner neuen Freundin. „Wenn ich noch in meiner Hexenküche zurecht käme, dann könnte ich dir mit meiner speziellen Calendula-Salbe helfen. Es ist eine ganz wunderbare Salbe und ich trage sogar ihren Namen, weil ich die beste Calendula-Salbe auf der ganzen Welt mache. Aber leider kann ich in der verwunschenen dunklen Küche nichts mehr finden.“ Traurig schüttelte die kleine Hexe den Kopf und hielt sich die Hände vor das Gesicht. „Aber Calendula“, schrie Stolperchen auf und schüttelte sie heftig an den Schultern. „Ich bin ein Gespenst – ich kann in der Dunkelheit besser als im Hellen sehen! Komm! Führe mich zu Deiner Küche. Ich kann dir alles für die Salbe und für den Kürbiskuchen zusammensuchen.“ Erstaunt schaute Calendula Stolperchen an. „Komm steig´ mit auf meinen Besen, ich bringe dich rasch hin.“ Vor der dunklen Hexenküche nahmen sich Stolperchen und Calendula an die Hände und fühlten sich plötzlich sehr stark. Stolperchen konnte in der Dunkelheit gut sehen und führte Calendula zu allen Zutaten. Calendula stützte Stolperchen so gut sie konnte und so kam es, dass sie schon nach ganz kurzer Zeit alles was sie brauchten zusammengetragen hatten, ohne dass Stolperchen auch nur ein einziges Mal hinfiel. Dann flogen sie in das Backhaus des Schlosses und Calendula rührte mit geschickten, flinken Händen eine wunderbare Salbe zusammen. Schließlich strich sie diese auf Stolperchens Flecken und sprach dabei eine Zauberformel: „Hast du einen blauen Fleck – nimm dieses hier –bald ist er weg. Reib´ damit blaue Stellen ein - du wirst sehen, das geht ganz fein.“ Dann verschloss sie den kleinen Salbentiegel und gab ihn Stolperchen. „An Halloween wirst du von den Flecken nichts mehr sehen und dein Gewand wird weißer denn je sein“, sagte sie mit feierlicher Stimme. „Ich werde beim Gespenstertanz nur an dich denken, Calendula. Und nun lass mich dir beim Backen des Kürbiskuchens helfen.“ Stunden später saßen beide wieder auf dem Schlossturm und aßen glücklich und zufrieden ein Stück von dem köstlichen Kuchen. „Morgen Nacht üben wir aber zusammen dein Gespensterlied“, mahnte Calendula dann ihren Freund. „Ich finde da stolpert – ähm holpert es noch ein bisschen.“ Stolperchen grinste breit: “Das machen wir. Das und noch vieles mehr!“ Margret Netten mit freundlicher Genehmigung des Bergmoser und Höller Verlag, Aachen ("Stolperchen und Calendula" ist eine Geschichte aus "meiner" Bausteine Kindergarten, Ausgabe 4/2005 - Bonus-Programm --- alle Rechte der Geschichte: Bergmoser und Höller Verlag, Aachen) Illustration: Martina Erkes
Hier werden "Bausteine" für Kindergärten gemacht!!! NeM Hier geht es zu Stolperchens Gespensterlied: "Huibuh - Heute Nacht ist Halloween!"
Text: Margret Netten; Musik: Stephen Janetzko; © Edition SEEBÄR-Musik, www.kinderlieder-und-mehr.de weitere Info zur kreativen Aufarbeitung dieser Geschichte mit Kindern
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